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BALLONFAHREN - DER TRAUM VOM
FLIEGEN
Welches Kind kennt ihn nicht?
Hatschi Pratschis Luftballon ließ mir schon als Kind
den Schauer über den Rücken rinnen.
Zwei Gründe waren dafür
ausschlaggebend, die geheimen
Befürchtungen, die sich wohl in uns allen regen,
wenn es sich um das Aufsteigen in unbekannte Höhen
handelt, aber viel mehr noch all die unwahrscheinlichen
Eindrücke, die Fritz von seinem Beobachtungsplatz im Korb
des Ballons aufnehmen konnte.
Nie wäre es mir damals in den
Sinn gekommen, daß ich so
ein prachtvolles Gefährt je selbst in den Himmel erheben
kann.
Meine erste
Ballonfahrt führte ich ganz
unerwartet durch.
Ich hatte das Vergnügen, einen Ballon mit aufrüsten zu helfen.
Es ist fast unwahrscheinlich,
wenn man sieht, aus wievielen
Einzelteilen so ein Ballon besteht, daß es möglich ist, diesen
in so kurzer Zeit fahrbereit zu machen.
Erst wird der Korb mit dem
Brenner verbunden, dann wird die
Hülle ausgelegt, diese an Korb und Brenner befestigt und mit
einem Ventilator mit kalter Luft gefüllt. Der Riese beginnt sich
zu heben. Ist er prall genug, wir die Luft in der Hülle mit dem
Brenner erhitzt, der Ballon stellt sich auf, die Passagiere
können ihren Platz im Korb einnehmen.
In diesem Fall war ein Platz
für mich reserviert, von dem ich
aber nichts wußte. So wurde ich unter großem Hallo der
Umstehenden in den Korb verfrachtet, der Pilot ließ den
Brenner rauschen, wir heben ab.
Wie in einen Fahrstuhl, ganz
ruhig hob sich der Ballon in
den Himmel, eine sanfte Brise erfaßte uns und trieb uns
der untergehenden Sonne entgegen. Unter uns glitt der
Wienerwald dahin, grüne Wiesen wechselten mit grünen
Wäldern. Rehe ästen auf den Feldern, Hasen hoppelten
dahin. Die Sonne spiegelte sich blutrot im Wienerwaldsee.
Eine fast unheimliche Hochstimmung machte sich in mir breit.
Ein zweiter Ballon, der fast
gleichzeitig mit uns gestartet war,
fuhr manchmal höher, manchesmal weiter von uns entfernt,
hie und da kreuzte er unsere Bahn. Dies gab mir den ersten
Eindruck der Steuerbarkeit eines Ballons - in verschiedenen
Höhen gibt es meistens in Richtung und Stärke
unterschiedliche Winde, der Ballonfahrer nützt diese zum
Lenken seines Luftfahrzeuges aus.
Eine schöne große Wiese in der
Nähe eines Bauernhofes
taucht vor uns auf. Unser Schwesternballon setzt gerade
ur Landung an, auch unser Ballon soll dort niedergehen.
Wirklich schon? Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, daß wir uns
schon mehr als eine Stunde in der Luft befinden. Die nun
schon sehr tief stehende Sonne gibt das Signal für das Ende
der Fahrt. Wir setzen ganz sanft auf. Mit den Gedanken
noch gar nicht richtig auf fester Erde helfe ich, den Ballon
wieder auf dem Hänger des Verfolgerfahrzeuges zu verstauen.
Unser Riese ist verpackt, nun
kam das nächste Unerwartete
auf mich zu. Die Tradition der Ballonfahrt verlangt es, daß nur
Adelige sich diesem auserwählten Sport widmen dürfen, daher
verlangt es die Vorschrift, daß alle, die ihre erste Ballonfahrt
soeben absolviert haben, in den Adelsstand gehoben werden.
Mit dem Feuer, das uns trägt und dem Wasser, das wir lieben
wurde ich auf den Namen Gräfin Silvia von Waasen getauft.
Einige
Ballonfahrten folgten dieser
Ersten, die Faszination
nahm so stark Besitz von mir, daß ich die Ausbildung zum
Ballonpiloten begann. Heute bin ich soweit, daß ich mein
Wissen und meine Freude als Lehrer und Pilot von
Passagierfahrten weitergeben kann.
In unserer hektischen Zeit
bildet das Ballonfahren
einen
idealen Gegenpol. Kein eigener Antrieb kann eine schnellere
Fahrt bewirken, nur das Gespür für Luftströmungen lässt
t uns den Ballon lenken und zu
einem geeigneten Landeplatz
steuern. Nicht gegen, sondern mit der Natur muß gearbeitet
werden. Das einzige Hilfsmittel dabei ist der Brenner, der mit
Propangas betrieben wird. Durch Erwärmen der in der Ballonhülle
eingeschlossenen Luft und dem damit verbundenen Steigen
oder durch Auskühlen lassen der selben und dem damit
verbundenen Sinken ist der Ballonfahrer in der Lage, die für
ihn geeignetste Windrichtung einzufangen.
Wieviel Jahrtausende
träumte der Mensch vom Fliegen,
wie kurz erscheinen da die 200 Jahre, seit es dem
Menschen glückte, sich in die Lüfte zu erheben.
Heiße Luft - damals wie heute,
trägt uns davon, läßt
uns den Alltag vergessen.
1783 endlich gelang es den
Gebrüdern Montgolfiere die
Schwerkraft zu überwinden und einen Ballon in Paris steigen
zu lassen. Die Fesseln waren gelöst, der Mensch hatte Flügel.
Vieles hat sich seit damals
geändert, die Ausrüstung konnte
durch neue Technologien leicht und flexibel gestaltet werden,
so das ein Ballon praktisch überall aufgerüstet und gefahren
werden kann, das erhebende Gefühl, die Welt mit dem Wind
zu erobern, ist das alte geblieben.
Das
Ballonfahren ist einer der
wetterabhängisten Sportarten
überhaupt. Besonders die, durch starke Sonneneinstrahlung
entstehende Thermik mit ihren unkontrollierbaren Winden und
Gewitter lassen im Sommer den Ballonfahrer zum Frühaufsteher
werden. Die stabile Luftschichtung im Frühling, Herbst und
Winter machen diese Jahreszeiten zur idealeren Ballonsaison.
Diese Zeit bringt uns auch in
den einmaligen Genuß, die Alpen
mit dem Ballon bezwingen zu können. Der Anblick der
verschneiten Berglandschaft, die unter strahlendem Himmel
daliegenden, bis weit in den Horizont hineinreichenden
Gebirgsstöcke, machen so eine Fahrt zum unauslöschbaren
Erlebnis. Fast lautlos gleitet man über die Landschaft.
Erlebt die Natur hautnah.
Zum
Ballonfahren zieht man sich am
besten so an, als ob
man in der Gegend, über die man fährt, eine Wanderung
durchführen möchte. Durch die vom Brenner erhitzte Luft,
ist die Kälte praktisch nicht spürbar.
Der Österreichische
Ballonfahrer Club bietet Freunden dieses
Sportes Pilotenlehrgänge in der Club eigenen Schule und
Passagierfahrten sowohl mit Heißluft als auch mit Gasballonen.
Bericht von Silvia Wagner

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